Wir sind nicht gewollt.
Das höre ich in letzter Zeit in der Schule immer wieder. So oder eben anders formuliert, aus dem Mund eines Lehrers oder der Schülervertretung. Hierbei geht es nicht um unsere Klasse oder Schule, nein, sogar gleich um das ganze Schulsystem bzw. das Gymnasium. Immer wenn wir im Unterricht über andere Schulen (meist Gesamtschulen) sprechen, sprechen wir von derer tollen, für uns unvorstellbaren, Ausstattung. Sie haben mehrere Computerräume, Laptopklassen, über 100 MacBooks zum ausleihen usw. Und diese wurden zum Großteil nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, von den Eltern bezahlt. Nein, es war das Land Hessen bzw. die Stadt Kassel oder der Landkreis.
Wir fragen uns natürlich auch, warum wir das nicht haben, und dieser Satz ist die Antwort darauf: Wir sind nicht gewollt.
Die Politiker “mögen” unseren Schulzweig, sprich das Gymnasium nicht. Sie sind für Gesamtschulen, und drücken das ebenso aus. Die Gesamtschulen haben die neuesten Räume (unsere Pavillons sind z.B. ca. 40 Jahre alt – Sie sehen so aus, wie man sich KZ-Baracken vorstellt [1]), die beste Ausstattung (Wir haben nicht mal einen richtigen Werkraum, sondern nur eine alte, verrostete Metallsäge[2]) und das meiste Geld.
Selbst die Lehrer, welche sich ja eigentlich nicht zur politischen Lage äußern dürfen, machen beinahe täglich Andeutungen. So sprachen wir heute in der Klasse über Dinge, die die SV für die Schüler anschaffen kann. In der letzten SV-Sitzung beschwerten sich zum Beispiel sogar einige Klassen, dass sie nicht einmal einen Schwamm haben(!), was ja prinzipiell ziemlich wichtig ist für den Unterricht in einer Schule. Oder dass auf den Damentoiletten nie genügend Toilettenpapier ist, geschweige denn Seife.
Sogar in dem Schulinspektionsbericht des Landes Hessen findet man unter 3.2 Schwächen der Schule diesen Satz:
Unzureichende räumliche Bedingungen und Ausstattungsmängel setzen einem zeit- gemäßen Unterricht sowie der Umsetzung und dem Ausbau der Profilschwerpunkte deutliche Grenzen. Insbesondere im Bereich der Naturwissenschaften und der IT- Ausstattung besteht dringender Modernisierungsbedarf.
Etwas weiter hinten in dem Bericht findet man auch dieses Zitat:
Der bauliche Zustand der einzelnen Gebäude am Haupt- und Nebenstandort differiert stark. Es besteht erheblicher Sanierungs- und Ausstattungsbedarf in unterschiedlichen Bereichen.
Ich verstehe einfach nicht, warum nach diesem erschreckenden Bericht kein Geld mehr in die Schule investiert wurde, bzw. nicht in die dort angesprochenen Probleme. Wozu gibt es dann solche Inspektionen? Damit alle sehen, dass die Schule scheiße ist, die Eltern ihre Kinder auf eine Gesamtschule schicken? Ist das der eigentliche Plan der Regierung? Oder wie kann ich mir sonst erklären, dass soclhe erschreckenden Ergebnisse meist nur in Gymnasien vorkamen.
Zum Abschluß nocheinmal das Resumé unseres Inspektionsbericht:
Ihr habt super Lehrer, aber eure Ausstattung ist echt zum k*****!
Wie sieht es an deiner Schule aus, bzw. wie war es dort? Genauso katastrophale Zustände? Schlimmer? Besser? Oder hast du leider die selben Erfahrungen wie ich? Schreib einen Kommentar oder äußere dich doch in deinem Blog über deine Schule! Am besten machst du auch gleich bei meiner Blogparade zum Zustand deiner Schule mit!
Für alle, die es mir nicht so recht glauben wollen, habe ich nochmals Anmerkungen mit Zitaten des Inspektionsbericht erstellt.
Anmerkungen:
[1] Schulinspektionsbericht des Landes Hessen, Seite 16:
“Um zusätzliche Klassenräume zu schaffen, wurden in den sechziger Jahren auf dem Schulhof Pavillons errichtet, die inzwischen stark sanierungsbedürftig sind. Der Unterricht wird durch unzureichende Schall- und Wärmeisolierung sowie fehlende Verdunklungsmöglichkeiten deutlich eingeschränkt.”
[2] Schulinspektionsbericht des Landes Hessen, Seite 17 ff.:
- “etliche Möbel sind aufgrund der langen Nutzungsdauer nicht mehr funktional.”
- “Es gibt wenige Vorrichtungen in Klassenräumen zur Präsentation von Schülerarbeiten und zum Anbringen von visualisierenden Materialien (z. B. Pinnwände).”
- “Hinsichtlich geltender Sicherheitsbestimmungen kann die Schule mit der vorhandenen Ausstattung – nach Aussage des Fachleiters – nicht allen Anforderungen genügen (defekte Abzüge in den Chemieräumen, keine feuerfesten Tische, Sammlungs- und Chemikalienschränke aus Holz mit unzureichender Belüftung).”
- “Die IT-Ausstattung der Schule ist zur Förderung der Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler unzureichend. Die Schule verfügt über keine Internetanschlüsse in den Klassen- und Fachräumen. Die Anzahl der frei zugänglichen Computer für Schülerinnen und Schüler zum selbstständigen Arbeiten und Recherchieren ist in Relation zur Schülerzahl zu gering.”
- “Beamer und Laptops für das Arbeiten mit Präsentationen im Unterricht sind nicht ausreichend vorhanden. Mobile Arbeitseinheiten müssen mehrere Wochen im Vor aus reserviert werden.”
- “Der Nebenstandort hat keinen Internetzugang.”
#1 by Mario oder Tufao. Bekannter als Mayo. on Freitag, 12. Februar 2010
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Mh. Also ich bin letztes Jahr von einer Gesammtschule (Orientierungsstufe) auf ein Gymnasium gewechselt. Die Gesammtschule wurde über die Sommerferien vor meinem ersten Schultag dort vollkommen saniert. Als ich dann nach 2 Jahren wieder runter bin, sah sie wohl wieder so aus, wie vor der Sanierung. Ich glaube, Gesammtschulen nutzen hier einfach schneller ab als Gymnasien.
Ich muss dazu sagen, dass ich in MV zur Schule gehe, also “neues” Bundesland und wie ich so mitbekommen habe, sind die “Missstände” hier nicht sooo extrem wie in den nicht neuen Bundesländern, außer Bayern und Badem-Würtemberg. Das Gymnasium, auf das ich gehe, wurde das letzte mal 1994 angerührt (zur Schule neu geformt, vonner DDR-Baracke), von 1994 ist scheinbar auch noch unsere Schulwebsite ( http://www.kkg-rostock.de/ ), und die IT- und Naturwissenschaftlichen “Anlagen” wohl auch. Aber es läuft alles noch, wenn auch minimal. Dafür bekommen wir jetzt jedes Schuljahr nagelneue Schulbücher. Das war widerum an der Gesamtschule nicht so.
#2 by Eknoes on Freitag, 12. Februar 2010
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Ich denke, es ist von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich, da ja die Bildungspolitik vom Bundesland bestimmt wird. Das sich Gymnasien nicht so abnutzen, kann gut sein, aber ich finde trotztdem, dass man 40-Jahre alte Baracken ohne Heizung sanieren sollte
Zum Thema Schulbücher:
Ich helfe gelegentlich bei uns in der Schulbücherei aus, wir haben kaum neue Bücher. Das Problem ist auch, dass ich der letzte G9 Jahrgang bin, und nach mir nur noch G8 Jahrgänge kommen (12 Jahres Abitur), also werden nur noch Sachen für die G8er angeschafft, und wir sind die schwarzen Schafe
#3 by Mario oder Tufao. Bekannter als Mayo. on Freitag, 12. Februar 2010
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Ad:
Meine Schule wurde vom Land als “Multimedia”-Schule ausgezeichnet, was den Standart einer Multimediaschule ziemlich runterreißen dürfte. Wir haben weder ordentliche PC’s (auch wenn uns seit 1 1/2 Jahren neue versprochen werden) und Lehrer, die wissen wie man einen PC startet, haben wir auch nicht wirklich. Produktives lernen ist, wie ich finde, nicht, wenn man in Paint als Stundenarbeit eine Kreditkarte gestalten soll, oder sich eine 1 dazuverdient, indem man dem Lehrer erklärt, dass der Schalter hinten am PC auf “1″ und nicht “0″ sein muss. Nebenher sind wir auch noch ein “Musikgymnasium”, wir, mit unseren nicht vorhandenen, beschädigten oder abgenutzten Instrumenten, unser kahlen Aula und den unmusikalischen Musikklässlern. Als Gegensatz kann ich aber ein kürzlich neu gebaute Schule nennen. Die hat sämtliche Materialien neu bekommen, ob nun IT-Kram oder Musikzeug.
#4 by Eknoes on Freitag, 12. Februar 2010
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Nochmal als Verständnisfrage: Bist du jetzt gerade auf einer Gesamtschule oder einem Gymnasium?
#5 by Mario oder Tufao. Bekannter als Mayo. on Freitag, 12. Februar 2010
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Auf einen weiteren Kommentar^^
Ja, klar. Ich persönlich würde ja eher für ein einheitliches Bildungssystem sein. Man also keine Probleme hat, in den aktuellen Lehrplan einzusteigen, wenn man umzieht, oder kein Hungerneid zwischen Schulen aufkommen kann. Quasi wie mit der Solidarisierung. Dass solange an den Schulen gearbeitet wird, bis ein einheitliches Lehrniveau erreicht ist. Es ist ja ziemlich narrisch, wenn die Bildung unter fehlenden Materialien leidet, nur, weil eine Komune, Stadt oder ein Land einfach nicht die finanziellen Mittel wie ein anderes hat.
#6 by Mario oder Tufao. Bekannter als Mayo. on Freitag, 12. Februar 2010
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(Noch) Gymnasium.
Da fällt mir ein, dass die Gesamtschulen hier auch ums Überleben kämpfen.
Meine Lehrer an der Gesamtschule haben den angehenden Gymnasiasten immer wieder eingetrichtert, dass wir das alle nicht am Gymnasium packen würden, und wir so oder so wieder zurückkämen, und wir sollten es gar nicht erst versuchen.
MV ist auch damit beschäftigt, sämtliche Grundschulen abzureißen, was nach den Geburtenzahlen nicht sehr schlau scheint.
#7 by Eknoes on Freitag, 12. Februar 2010
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Hm, ich finde schon, dass man im Bildungssystem differenzieren sollte, also keine Einheitsschule. Aber darüber kann man ja an anderer Stelle diskutieren
Unsere Lehrer (Gymnasium) trichtern uns ein, dass die Leute die überall auf 4 stehen jetzt auf Oberstufengymnasien wechseln sollten, weil sie dort besser bewertet (1-2) werden würden, das zweifele ich aber etwas an ^^
#8 by Mario oder Tufao. Bekannter als Mayo. on Freitag, 12. Februar 2010
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Ach…bei uns geht das gar nicht so nach Leistung.
Du musst eigentlich nur den richtigen Namen haben. Nicht nur in Musik, Kunst und Sport. Auch in Mathe kannst du mit 5 von 13 Punkten noch eine 4 haben.